Backcasting ist ein wirkungsvolles Strategie-Tool, um Unternehmen langfristig zukunftsfähig auszurichten. Statt sich ausschließlich auf Trends oder lineare Prognosen zu stützen, definieren Sie ein gewünschtes Zukunftsbild und denken von dort aus rückwärts: Welche Entscheidungen müssen Sie heute treffen, um dieses Zukunftsbild zu erreichen?
Worum geht es beim Backcasting?
Backcasting ist ein strategischer Planungsansatz, bei dem nicht die Fortschreibung der Gegenwart im Mittelpunkt steht, sondern ein klar beschriebenes Zielbild in der Zukunft. Von diesem Zukunftsbild aus leiten Sie ab, welche Schritte, Fähigkeiten und Veränderungen notwendig sind, um dorthin zu gelangen.
Der Ansatz eignet sich besonders in Kontexten, in denen:
- hohe Unsicherheit besteht
- technologische oder gesellschaftliche Brüche absehbar sind
- ambitionierte oder normative Ziele verfolgt werden (z. B. neue Geschäftsmodelle, Nachhaltigkeit, internationale Expansion)
Wie funktioniert die Backcasting Methode?
Der Prozess kann in mehrere Schritte unterteilt werden:
Schritt 1: Zukunftsbild definieren
Zu Beginn steht ein präzise beschriebenes Zukunftsbild für einen definierten Zeitpunkt – beispielsweise für das Jahr 2030 oder 2050. Typische Dimensionen sind Märkte, Produkte, Kundenpräferenzen, Werte, Technologien und Wettbewerbsdynamiken.
Schritt 2: Szenarien entwickeln
Auf Basis der Fragestellung werden alternative Zukunftsszenarien erarbeitet. Dabei müssen diese nicht zwingend nach ihrer Eintrittswahrscheinlichkeit bewertet werden, da Backcasting primär mit gewünschten, normativen Zielzuständen arbeitet. Die Varianten helfen jedoch, Unsicherheiten sichtbar zu machen.
Schritt 3: Barrieren und Enabler identifizieren
Welche Entwicklungen könnten das Zukunftsbild unterstützen? Welche Hindernisse stehen im Weg? An dieser Stelle entstehen erste Ableitungen für notwendige Maßnahmen.
Schritt 4: Rückwärts planen
Ausgehend vom definierten Zukunftsbild wird schrittweise rückwärts gedacht:
- Was muss fünf Jahre vor dem Zielzustand erreicht sein?
- Welche Voraussetzungen müssen bereits heute geschaffen werden?
- Welche Fähigkeiten, Ressourcen oder Partnerschaften fehlen?
Schritt 5: Maßnahmen definieren und priorisieren
Die abgeleiteten Schritte werden in klare Handlungsfelder übersetzt. Verantwortlichkeiten, Zeitpunkte und Abhängigkeiten werden festgelegt, sodass ein realistischer Umsetzungsplan entsteht.
Bei der Backcasting-Methode werden in der Zukunft liegende Szenarien und Situationen beschrieben. Ausgehend von einer bestimmten Themenstellung werden unterschiedliche Zukunftsszenarien entworfen, die Märkte, Produkte, Präferenzen und Werte umfassen können. Diese Szenarien können zudem nach Eintrittswahrscheinlichkeit bewertet werden (Wahrscheinlich, unwahrscheinlich, etc.). Diese Szenarien werden beschrieben und schriftlich festgehalten. Anschließend werden basierend auf diesen Beschreibungen und Zukunftsbildern Maßnahmen abgeleitet, die jetzt umgesetzt werden sollten.
Visualisierung: Den Blick zurück aus der Zukunft
Backcasting kehrt die klassische Perspektive um: Die Zukunft wird zuerst beschrieben und dann auf die heutige Situation übertragen. Dadurch entsteht ein strategischer Pfad, der sich nicht an aktuellen Beschränkungen orientiert, sondern am langfristig gewünschten Zielbild.
Forecasting vs. Backcasting
Blick vom Heute in die Zukunft
Projektion bestehender Trends
Fokus auf Wahrscheinlichkeiten
Blick von der Zukunft zurück ins Heute
Definition eines Zielbilds, unabhängig von aktuellen Trends
Fokus auf gewünschte Zukunft
Beide Ansätze ergänzen sich ideal: Forecasting zeigt, was wahrscheinlich geschieht – Backcasting, was Sie erreichen wollen.
Hintergrund
Die methodischen Grundlagen der Backcasting-Methode wurden Anfang der 1990er Jahre von John B. Robinson, entwickelt, damals an der University of Waterloo. Seitdem hat sich Backcasting zu einem etablierten Werkzeug im strategischen Management, in Innovationsprozessen und in der Nachhaltigkeitsstrategie entwickelt.
Einordnung in unsere Arbeit
Ein Ansatz, den wir bei ACRASIO in diesem Zusammenhang einsetzen, ist das Reverse Megatrend-Verfahren. Damit verbinden wir Backcasting mit einer strukturierten Analyse globaler Megatrends. Auf diese Weise entstehen robuste Zukunftsbilder, die sowohl wahrscheinliche als auch disruptive Entwicklungen berücksichtigen und Unternehmen konkrete Handlungsoptionen eröffnen.

